Kafka und die Frauen

Deep Reading im Alltag, Über Literatur sprechen

Warum ich Wikipedia gut finde? Weil die da zu findenden Infos unschätzbar sind, wenn es darum geht, Schlüsselwerke der Literatur zu verstehen. Ein Beispiel. Über Kafka erfährt man unter anderem Folgendes:

Kafka hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu Frauen. Einerseits fühlte er sich von ihnen angezogen, andererseits floh er vor ihnen. […] Als Ursachen für Kafkas Bindungsangst vermutet man in der Literatur neben seiner mönchischen Arbeitsweise (er stand unter dem Zwang, allein und bindungslos zu sein, um schreiben zu können) auch Impotenz (Louis Begley) und Homosexualität (Saul Friedländer).

Als Mensch mit Bindungsangst (and proud of it) kann ich einerseits nur sagen: mit Impotenz hat es überhaupt nichts zu tun. Andererseits finde ich es auch hilfreich, zu wissen, dass das Verhältnis des Autors zu Frauen und so weiter “zwiespältig” war. Das nächste Mal, wenn ich den Prozess lese, werde ich weniger verwirrt sein, dass da am Ende keine feste Beziehung mit gemeinsamem Haus, Auto, Konto und Kind herauskommt: Kafka war ein Bindungsangst-Autor.