Milch aus einer schwarzen Schale

Eigene Texte (Proben)

(ca. 1560-1660)

Dass es Hexerei gegeben hat, beweist die Heilige Schrift, und dass es sie gibt, beweisen täglich Erfah­rung und Geständnis. (James VI, Daemonologie, 1597)

Elisabeth Francis aus Hatfield in Essex bekam von ihrer Großmutter eine weiße Katze, die sprechen konnte und die für sie ein ungewolltes ungeborenes Kind tötete. Elisabeth Francis gab die Katze später ihrer Schwester Agnes Waterhouse. Diese legte ihr eine Schüssel mit Wolle aus, und als sie die Wolle verkaufen musste, betete sie, wie sie sagte, „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,“ die Katze möge sich in eine Kröte verwandeln. Zur gleichen Zeit erschien der zwölfjährigen Agnes Brown, nachdem sie der Tochter von Agnes Wa­terhouse ein Stück Brot verweigert hatte, ein schwarzer Hund mit dem Gesicht eines Affen. Er hatte eine silberne Pfeife um den Hals und Hör­ner auf dem Kopf und verlangte ein Stück Butter von ihr.

Elizabeth Bennett erschien auf dem Heimweg von der Mühle ein Geist in der  Gestalt eines schwarzen Hundes. Er hielt sie fest, so dass sie sich mehr als zwei Stunden lang nicht von der Stelle rühren konnte. Sie betete so lange zu Gott, bis der Geist verschwand. Später versuchte derselbe Geist, sie in einen brennenden Ofen zu stoßen, doch sie wehrte ihn mit einer Feuergabel ab. Als ihr mehrere Wochen später der Geist erneut erschien und ihr sagte, dass er das Vieh des Nachbarn mit einer tödlichen Plage belegt habe, da gab sie ihm Milch zur Belohnung, denn der Nachbar hatte sie und ihr Vieh oft schlecht behandelt.

Janet Watson erschien ein Geist in der Gestalt eines grüngekleideten Jungen. Er versprach ihr Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht und hinterließ ein Zeichen auf ihrer Schulter. Dann verwandelte er sich in einen schwarzen Hund und verschwand. Während der nächsten Tage erschien immer wieder eine enorm große Biene bei ihr. Am Morgen des dritten Tages landete sie auf ihrer Schulter. Als sie den Geist später wieder traf, trug er eine schwarze Kappe. Er legte eine Hand auf ihren Kopf und sagte: „Jetzt gib mir alles, was unter dieser Hand ist.“

Alice Baxter wurde eines Tages beim Melken der Kühe von etwas Unsichtbarem in ihre rechte Seite gestochen. Als sie später die Milch nach Hause brachte, sah sie ein weißes, katzenähnliches Ding, das ihr zuerst einen mächtigen Schlag auf die Brust versetzte und dann im Gebüsch verschwand. Sie konnte sich daraufhin weder bewegen noch sprechen und blieb solange reglos liegen, bis ihr Herr und zwei seiner Knechte kamen und sie nach Hause trugen.

Margaret Cooper aus Somerset erschien in ihrer Schlafkammer ein Geist in Gestalt eines Bären ohne Kopf. Er versetze ihr drei heftige Schläge und zerrte sie aus dem Bett, nahm dann ihren Kopf zwischen die Beine und schleuderte sie so die Treppe hinunter. Ihr Ehemann schlug mit einem eilig ergriffenen Schemel auf ihn ein, und sagte später, es habe sich abgehört, als würde man in ein Federbett schlagen. Der Geist verschwand und hinterließ einen fürchterlichen Gestank und schwelende Brandstellen. Die hinzugekommenen Leute wagten zuerst nicht, die bewusstlos am Boden der Treppe liegende Margaret Cooper zu berühren.

Joan Cason wurde über mehrere Jahre von einem kleinen, rötlichen Tiergeist besucht. Er war kleiner als eine Ratte und hatte einen großen buschigen Schwanz. Manchmal sprach er zu ihr und sagte „Geh, geh, geh,“ „Siech, siech,“ und „Komm, komm.“

Joan Prentice erschien ein Geist in der Gestalt eines graubraunen Frettchens mit feurigen Augen. Als sie nach seinem Na­men fragte, sagte er: „Bid“ und verschwand. Einen Monat später kam der Geist erneut zu ihr, und Joan Prentice bat ihn, zu Meister Glascocks Haus gehen und eines seiner Kinder ein wenig zu quälen. In der nächsten Nacht sagte der Geist, dass er ihren Wunsch erfüllt habe, und dass das Kind sterben würde.

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Vollständig veröffentlicht in Edit #61.